VEBWK – erfundene Mitglieder und der Wandel zur Trinkerlobby

Über eine „Jubelveranstaltung“ des VEBWK und seine „Mitglieder“, die es überhaupt nicht gibt, und über die neueste, im wahrsten Sinne des Wortes – Schnapsidee – der Tabaklobbyisten und Volksverdummer.

Mit einer Maß Freibier und einer Zigarre pro Person köderte der VEBWK, der Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur, im Münchner Löwenbräukeller zu einer sogenannten Jubel-, Appel- und Protestveranstaltung . Mit angeblichen 84.000 Mitgliedern behauptet der VEBWK von sich, nach dem ADAC und dem FC Bayern der „drittgrößte Verein Bayerns“ zu sein. Nachdem etwa 250 militante Hardcorequalmer diesem Aufruf folgten und an der Hetzveranstaltung gegen den Nichtraucherschutz teilnahmen, dürfte nun auch dem naivsten Bayern klar sein, das dieser Verein von Tabaklobbyisten nie und nimmer 84.000 Mitglieder hat. Die Anzahl der wirklich aktiven Mitglieder, die hinter dem stehen, was dieser Verein sagt und tut, dürfte unter 500 liegen, sonst wäre es wohl kaum erforderlich gewesen, rauchende Bierdimpfel mittels Bestechungsbier und kostenlosen Nikotindrogen zu locken, um überhaupt ein paar dubiose Randexistenzen als Beifallspender für die dreiste Desinformationskampagne zu präsentieren, hinter der letztendlich ein süddeutscher Tabakwarengroßhändler steckt.

Der peinlichste Hauptredner war Nikotindogmatiker Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion des Magazins „Stern“, der keine Gelegenheit auslässt, sich in aller Öffentlichkeit zu blamieren. Er warf mit resserischen Hetzparolen nur so um sich und beging meinungspolitische Trittbrettfahrerei der übelsten Sorte. Seine markigen Sprüche hat der gute Mann anscheinend direkt aus den Strategieabteilungen der Tabakkonzerne diktiert bekommen. Jörges’ meinungspolitische Trittbrettfahrerei, die Ursache des Bayerischen Wahlergebnisses der Landtagswahlen 2008 als Konsequenz des strengen Bayerischen Rauchverbots umzudeuten, ist nichts Neues, denn schon eine Reihe anderer Tabakobbyisten lancierte diese Lüge in diversen Desinformationskampagnen.

Fakt ist, dass der Ausgang der Landtagswahlen mit dem Rauchverbot überhaupt nichts zu tun hat. In der Studie der Bamberger Politikberatungsagentur Pragma, die bei der Winterklausur der CSU-Landtagsfraktion in Wildbad Kreuth vorgelegt wurde, halten drei von vier Wahlberechtigten die Partei für verfilzt. Auch von den eigenen Anhängern sagen dies noch 56 Prozent. Das Rauchverbot hatte bei der Wahlentscheidung am 28. September 2008 so gut wie keine Rolle gespielt, konstatieren die Meinungsforscher. Ein interessantes Detail der Progma-Studie: Eine Mehrheit von 53 Prozent aller Befragten verneinte, dass die CSU die richtigen Lehren aus dem Wahlergebnis gezogen habe. Da darf man gespannt sein, wie wohl die Nichtraucher die Aufweichung des Nichtraucherschutzgesetzes bei den EU-Wahlen honorieren werden, anscheinend arbeitet die CSU im Moment am Ziel 30-X.

Nach dem peinlichen Auftritt von Jörges biederte sich Martin Zeil (FDP), stellvertretender Ministerpräsident Bayerns, den Nikotinsüchtigen mit den altbekannten Argumentationsschema der Tabaklobbyisten an. „Freiheit statt Bevormundung“ sind zwar schöne Worte, aber Zeil muss sich schon fragen lassen, wieso er und Teile seiner Partei die Hauptlügen der Tabakidustrie so vorbehaltlos nachplappern. Wer, wie die FDP, den Nichtraucherschutz am liebsten allein den Wirten und den Rauchern überlassen will, sorgt dafür, dass sich nichts zum Besseren ändern wird. Anstatt inhaltslose Lippenbekenntnisse zum Nichtraucherschutz abzugeben sollte sich Herr Zeil entscheiden, ob er lieber die Argumente der Tabakindustrie vertritt oder besser den Gesundheitsschutz der Bevölkerungsmehrheit in den Vordergrund stellt.

Ein Lichtblick war der Auftritt von Peter Paul Gantzer (SPD), als der Politiker mit Rückgrat die Wahrheit aussprach. Wörtlich sagte Gantzer: „Wir müssen klar stellen, dass alle wissenschaftlichen Untersuchungen, alle, inzwischen zu der Erkenntnis gekommen sind, dass Passivrauch genauso schädlich ist wie das Rauchen selbst. Ganzer, der selbst Raucher ist, hat erkannt, dass im VEBWK einige schon fast als kriminelle Subjekte zu bezeichnende Helfershelfer der Tabaklobby versuchen, durch gezielte Desinformationen Passivrauchen zu verharmlosen. Passivrauchen verursacht die gleichen Krankheiten wie Aktivrauchen, zwar nicht bei so vielen Menschen, da die Rauchdosis im Durchschnitt sehr gereing ist. Aber passiv rauchende Gastronomiebeschäftigte beispielsweise haben ähnlich hohe Risiken, an Lungenkrebs zu erkranken wie ihre rauchenden Gäste. Tabakrauch ist der mit Abstand bedeutendste und gefährlichste vermeidbare Innenraumschadstoff.

Eine Blamage leistete sich Birgit Netzle, Chefin des „Asam Schlössls“. Die militante Raucherwirtin drohte dem Bayerischen Staat, sollte das Rauchverbot so wie geplant beschlossen werden, mit einer bereits bei ihr fertig in der Schublade liegenden Klage beim Verfassungsgericht. Bleibt zu hoffen, dass dieser Schuss erneut nach hinten losgeht. Das Bundesverfassungsgericht sollte dem Gesetzgeber ein umfassendes Rauchverbot, so wie es bereits im Urteil vom 30.Juli 2008 als verfassungsgemäß beurteilt wurde, nahe legen und Ausnahmen komplett streichen.

Der Witz des Tages ist die neueste Kampagne des VEBWK, das „Projekt1Million“. Die Tabaklobbyisten mutieren zu Trinkerlobbyisten und wollen eine Million Unterschriften gegen die Promillegrenze und Alkoholprävention sammeln, obwohl jedem mündigen Bürger bekannt sein sollte, dass Alkohol im Straßenverkehr eine der häufigsten Unfallursachen bei schweren Unfällen ist.

Allein die Zahl der Todesopfer durch Alkohol im Straßenverkehr hat die gleiche Größenordnung wie die Gesamtzahl sämtlicher Opfer aller illegalen Drogen zusammen.

Ein erheblicher Anteil der Gesamtbevölkerung ist im medizinischen Sinne alkoholkrank oder akut suchtgefährdet, oft genug in Kombination mit Nikotinsucht. Ein großer Teil dieser Leute ist im Besitz einer Fahrerlaubnis, bis sie irgendwann am Steuer straffällig werden.

Das “ Projekt 1 Million “ legt nahe zu vermuten, dass der VEBWK möglicht schnell die Million Tote und Invaliden und Verletzte erreichen will, die durch Alkohol im Straßenverkehr verursacht werden.

Da bleibt nur Eines: Wehret den Anfängen.

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