Volksverdummung im BVGG-Forum, befeuert mit Uraltpropaganda der Tabakindustrie

Der Webmaster des BVGG „Bundesvereins für Genuss und Gastronomie“, der im Forum dieses höchst dubiosen Vereins als Einpeitscher die Qualmer bei Laune hält, glänzt dort unter Anderem mit Behauptungen, Passivrauchen wäre weniger schädlich als der Verzehr von Vollmilch oder Fleisch. Die „Studien“, auf die er sich dabei bezieht, gibt er jedoch nicht Preis. Woher diese Zahlen stammen, verschweigt er geflissentlich. Wir haben nachgeforscht und herausfegunden, dass diese Nonsensestudien schon 1996  vom Tabakgiganten Philipp Morris in Auftrag gegeben wurden, um die wahre Schädlichkeit des Passivrauchens zu vertuschen. Philipp Morris startete damals eine widerliche Anzeigenkampagne in Printmedien, in der die Volksverdummung durch die Tabakindustrie ihren Höhepunkt erreichte.

In einer Pressemitteilung vom 11. Juli 1996 nimmt das Robert Koch-Institut (früher Teil des Bundesgesundheitsamtes) zur Anzeigenkampagne des Tabakkonzerns Philip Morris zum Gesundheitsrisiko des Passivrauchens .

Das Robert Koch-Institut warnte davor, die Gefahren des Passivrauchens zu unterschätzen. Auch wer selbst nicht raucht, hat bei regelmäßigem Einatmen des sogenannten Nebenstromrauches ein erhöhtes Risiko, Herzkrankheiten oder Lungenkrebs zu bekommen. So hat die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA Tabakrauch in der Innenraumluft als krebserregenden Stoff der (höchsten) Gruppe A eingestuft; das bedeutet, dass die EPA einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs für belegt hält. Das Passivrauchen ist in Deutschland die häufigste Form von Luftverschmutzung in Innenräumen und betrifft etwa ein Drittel der Erwachsenen und jedes zweite Kind.

Seit einigen Wochen erscheinen in deutschen Zeitung und Zeitschriften Anzeigen, in denen suggeriert wird, das Gesundheitsrisiko durch Passivrauchen sei nicht höher, als wenn man Vollmilch oder gechlortes Leitungswasser trinkt, Kekse isst, sein Essen mit viel Pfeffer würzt oder sich von Fleisch ernährt. Als „Beweis“ werden wissenschaftliche Studien zitiert, die für diese Verzehrgewohnheiten ein ähnliches oder sogar höheres Gesundheitsrisiko als für Passivrauchen ausweisen.

Diese Argumentation ist grob irreführend. So liegen für fast alle der aufgeführten „Vergleichsrisiken“ nur einzelne Untersuchungsergebnisse vor, was für eine echte Beurteilung des Risikos nicht ausreicht. Dagegen hat die EPA für ihre Bewertung des Passivrauchens die Ergebnisse von insgesamt 150 Studien herangezogen, davon allein 30 zum Lungenkrebs.

Wichtige Ergebnisse, die die Studienergebnisse beeinflussen können, wurden von der EPA mit einbezogen, in den zum Vergleich angeführten Studien aber entweder überhaupt nicht berücksichtigt oder in den Anzeigen unterschlagen. Ein Beispiel: In einer Studie wurde untersucht, wie sich die Ernährung – vegetarisch oder fleischhaltig -auf das Risiko einer koronaren Herzkrankheit auswirkt. Bei fleischessenden Männern zwischen 35 und 64 Jahren – und nur dieses Zwischenergebnis wird in der Anzeige verwendet – ergab sich ein dreimal höheres Herzinfarktrisiko; allerdings nur, wenn der Einfluss des Rauchens nicht berücksichtigt wurde. Bei Betrachtung von Herzkrankheiten, für die Rauchen einer der wichtigsten Risikofaktoren ist, ist das ein gravierender Fehler. Berücksichtigt man den Einfluss des Rauchens, ergibt sich dann auch ein deutlich niedrigeres, etwa 1,5faches Risiko für Fleischesser. Dies ist in der Studie auch angegeben, wird in den Anzeigen aber ignoriert. Es stellt sich die Frage, wie das Ergebnis aussähe, würden weitere Risikofaktoren für den Herzinfarkt ebenfalls einbezogen. Bei Frauen zeigte die Studie übrigens keinen Unterschied zwischen Fleischkonsumentinnen und Vegetarierinnen.

Die Argumentation, die die gesundheitliche Unbedenklichkeit des Passivrauchens unterstellt, führt zudem Risiken an, die sich schon bei Betrachtung der fraglichen Studien schnell als nicht plausibel erweisen.

Sogar Studienergebnisse, die die Untersucher selbst ausdrücklich als fragwürdig bezeichnen, werden für die Beweisführung herangezogen. Der Zusammenhang zwischen Passivrauchen einerseits, Herzkrankheiten und Lungenkrebs andererseits ist dagegen auch biologisch plausibel.

Das Robert Koch-Institut ist der Auffassung, dass Vergleiche, wie sie in den betreffenden Anzeigen gezogen werden, den Verbraucher in die Irre führen. Dass Passivrauchen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko darstellt, ist wissenschaftlich belegt – nicht aber etwaige Risiken durch Kekse oder Vollmilch.

Es wird eine Frage der Zeit sein, bis passivrauchgeschädigte Bürgerinnen und Bürger diesen Verein dafür verantwortlich machen, dass auf Grund der Hetze und gezielten Desinformation Raucher zur Missachtung der Rauchverbote angestiftet werden. Dann wird es Klagen hageln, wegen Anstiftung  oder gar Beihilfe zur Körperverletzung. Den Verantwortlichen sei angeraten, sich warm anzuziehen. Denn neben den strafrechtlich relevanten Tatbeständen werden wohl zivielrechtliche Schadensersatzanprüche in nicht unerheblicher Höhe auf die Steigbügelhalter der Tabakmafia zukommen, dass es nur so raucht, aber ohne abgebrannte Fluppe. Dafür wir dann kein Geld mehr übrig sein.

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